Das Fundreich in Thalmässing

Das Fundreich in Thalmässing: Spuren früher Besiedlung
VON SYLVIA UND RONALD
10. JULI 2020

Fernab der großen Museen gibt es eine ganze Reihe an kleinen Sammlungen und Museen. Eines von ihnen ist das Fundreich in Thalmässing, ein kleines Museum, in dem ganz viel Geschichte steckt. Und wer mit dem EntdeckerPass ins Fundreich kommt, kann sich den Eintritt sparen.

Das Altmühltal

Schon vor mehr als tausend Jahren lebten Menschen im Altmühltal, rodeten einen Teil der Wälder und errichteten ihre Hütten. Sie besaßen nicht viel: Vielleicht einen Armreif, ein Kleid, für den Winter ein Paar Schuhe, Tonschüsseln für die Vorräte an Dinkel, Einkorn und Erbsen. Die getrockneten Kräuter befestigten sie an den Sparren des Vorratshauses und brachten sie sicher vor Mäusen unter. Aus der Wolle der Schafe spannen sie Fäden, ebenso aus Flachs und Lein und webten daraus Stoffe. Die Menschen hielten Hühner, Schafe und Ziegen, gingen auf Jagd, säten Getreide aus und zogen Gemüse im Garten. Sie brannten Ton in Öfen und buken Brot, irgendwann fanden sie sogar heraus, wie sich Sand zu Glasperlen schmelzen ließ.

 

Eisenerz lag auf dem Acker

Die frühen Menschen handelten mit Bernstein und wussten, dass sich Kupfer aus Tirol und Zinn aus England zu Bronze verarbeiten ließ. Irgendwann entdeckten sie, dass in den kleinen, schweren Steinen vom Acker Eisen steckte. Sie sammelten die Steinchen, schmolzen das Eisen im Feuer, verarbeiteten es zu Waffen, Werkzeugen und Eisenbarren für den Handel. Ein Beil mit eiserner Schneide fällt die Bäume wesentlich besser als eines aus Bronze, mit einer Pflugschar aus Eisen ließen sich auch schwere Böden bearbeiten.

 

 

Es blieb nur wenig von ihnen zurück

Es blieb nur wenig von ihnen übrig: Speerspitzen aus Feuerstein, Tonscherben, Pfeilspitzen, Perlen aus Bernstein und lange Nadeln, Totennadeln. Im Fundreich Thalmässing lehnt an einem Podest ein kleiner Stern, ein Stern aus Ton, und weil niemand weiß, wozu er einst gebraucht wurde, erzählt Museumsführerin Else Schlirf eine ganz fabelhafte Geschichte: Vielleicht hat ein junger Mann, verliebt wie er war, seinem Mädchen die Sterne vom Himmel versprochen und ihr den kleinen Stern geschenkt. Damit musste sie nicht so lange warten. Den schönsten Schmuck jedoch gaben die Menschen damals ihren Toten mit ins Grab und die Museumsführerin ist sicher: Die Schöne von Landersdorf war bestimmt keine arme Frau.

 

Anfassen und mitmachen erlaubt

Die Fundstücke im Fundreich sind – wie im Museum üblich – in Vitrinen ausgestellt und schön beleuchtet. Eines davon ist das Beil aus der Steinzeit. Direkt nebenan liegt es als Nachbau: Wer mag, kann probieren, wie gut sich damit Holz hacken lässt. In der Mitmach-Ecke für Kinder zeigt die Museumsführerin, wie die Menschen in dieser Zeit ihr Getreide zwischen Mahlsteinen zerrieben, um daraus Mehl zu gewinnen. An einer anderen Stelle können Kinder und Erwachsene in einer Kiste graben: Vielleicht versteckt sich ja was im Sand?

 

 

Der Zufall spielte eine große Rolle

Wer schon einmal etwas Verlorenes wiederfinden wollte, der weiß, wie mühsam und oft vergeblich eine Suche sein kann. Vermuten Archäologen eine Fundstelle, graben sie, sieben dabei die Erde und bestimmen das Alter der dort gefundenen Stücke. Trotzdem passiert es, dass sie kleine Dinge übersehen, erzählt die Museumsführerin. Das kleine Amulett mit den Landersdorfer Stieren ist ein solcher Zufallsfund: Eine amerikanische Achäologin ging mit dem 4jährigen Sohn des Landbesitzers noch einmal zur Grabungsstätte. Das Kind fand den Anhänger im Abfall, in dem Haufen, den die Archäologen bereits weggeworfen haben. Jetzt dient sie als menschengroße Skulptur vor dem Museum als Fotomotiv, während das Original im Museum selbst bestaunt werden kann.

 

Dreiklang aus Wanderweg, Geschichtsdorf und Museum

Komplettiert wird das Fundreich in Thalmässing durch drei Geschichtswanderwege und das Geschichtsdorf in Landersfeld. Der Keltenweg führt an einem Gräberfeld der frühen Keltenzeit vorbei, dort, wo der kleine Bronzeanhänger in der Erde verborgen lag. Eine Tafel kennzeichnet die Stelle, an der die Archäologen ein Hockergrab aus der Schnurkeramikzeit fanden. Und von der Reuther Platte ganz oben bietet sich ein wunderbarer Panoramablick über das tiefer liegende Gelände. Die Kelten wussten, dass sie oben auf der Höhe sicher sind und sahen ihre Feinde schon von weitem. Sie errichteten hier eine Siedlung, von der heute allerdings nichts mehr zu sehen ist.

 

Das Geschichtsdorf Landersdorf

Im Geschichtsdorf Landersdorf gibt es drei original rekonstruierte Häuser aus unterschiedlichen Zeiten zu entdecken: Ein Haus aus der Steinzeit, ein Keltenhaus und ein Bajuwarenhaus. Wie die Wanderwege ist auch das Dorf jederzeit frei zugänglich. Als ich ankomme, steht Kathrin Bösl vom Verein für Vor- und Frühgeschichte auf einer Leiter und bestreicht die Wand des Vorratshauses mit einer wässrigen Lehmpampe, dem sogenannten Schlicker. Weil die Lehmwand außen schneller als innen trocknet, bilden sich Risse. Diese müssen immer wieder zugeschmiert werden, erklärt die Frau, die sich wie die anderen Vereinsmitglieder in ihrer Freizeit ehrenamtlich im Geschichtsdorf engagiert. Seinen Ursprung verdankt der Verein ebenfalls einem Zufall: Gründer Fritz Loy fiel vor Jahren auf, dass ein Stück seiner Wiese anders gefärbt war. Da die Archäologen dort tatsächlich ein keltisches Grab fanden, begann er sich für diese Zeit zu interessieren.

 

Für Kinder gut geeignet

Mit seinen Mitmach-Stationen und anschaulich erklärten Exponaten ist das Fundreich Thalmässing besonders für Kinder gut geeignet. Wer gleichzeitig Museum, das Geschichtsdorf Landersdorf und die drei interessanten Geschichtswanderwege erkunden will, sollte genügend Zeit einplanen. Es lohnt sich. Wirklich.

 

 

 

 

 

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